Frustessen verstehen und besser damit umgehen
Ein schlechter Tag, ein Streit, eine Enttäuschung – und das Essen wird zum Trost. Frustessen ist weit verbreitet und kein Zeichen von Schwäche. Wie du es erkennst und Alternativen findest.

Was ist Frustessen?
Frustessen bedeutet: Du isst nicht, weil du Hunger hast, sondern weil du ein unangenehmes Gefühl betäuben willst. Frust, Enttäuschung, Ärger, Trauer – das Essen wird zum Pflaster auf eine emotionale Wunde.
Das funktioniert kurzfristig erstaunlich gut. Essen aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn, setzt Dopamin frei und schafft einen Moment der Beruhigung. Aber das Gefühl kommt zurück – oft verstärkt durch Schuldgefühle wegen des Essens.
Frustessen vs. emotionales Essen
Frustessen ist eine Form von emotionalem Essen. Während emotionales Essen alle Gefühle umfasst (auch Freude, Langeweile, Einsamkeit), ist Frustessen spezifisch an negative, intensive Emotionen gekoppelt.
Typische Auslöser:
- Streit mit dem Partner oder der Familie
- Enttäuschung im Job oder Alltag
- Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden
- Pläne, die nicht aufgehen
- Das eigene Scheitern an Zielen (auch beim Abnehmen)
Warum Frust besonders stark zum Essen treibt
1. Frust braucht ein Ventil. Wenn wir frustriert sind, ist da eine Energie, die rauswill. Essen ist ein einfaches, sofort verfügbares Ventil.
2. Frust fühlt sich unkontrollierbar an. Essen gibt ein Gefühl von Kontrolle: "Das kann ich mir wenigstens gönnen." Besonders wenn alles andere schwierig ist.
3. Frust aktiviert das "Ich habe es verdient"-Denken. Nach einem schlechten Tag sagt die innere Stimme: "Du hattest es so schwer heute – du brauchst das jetzt." Das ist verständlich. Aber es löst das Problem nicht.
6 Wege, besser mit Frust umzugehen
1. Frust benennen
"Ich bin frustriert, weil ..." – allein das Aussprechen (oder Aufschreiben) nimmt dem Gefühl etwas von seiner Intensität. Forschung nennt das "Affect Labeling" – Gefühle benennen reduziert ihre emotionale Wucht.
2. Frust fühlen statt betäuben
Das klingt kontraintuitiv, aber: Erlaube dir, frustriert zu sein. Das Gefühl wird nicht größer, wenn du es zulässt. Oft wird es kleiner. Eine akute Gefühlswelle ebbt meist nach wenigen Minuten wieder ab, wenn du sie durchlässt, statt sie sofort zu betäuben.
3. Körperliche Entladung
Frust hat eine physische Komponente. Bewegung hilft: Ein schneller Spaziergang, Kissen schlagen, laut Musik hören und dazu tanzen, Treppen steigen. Lass die Energie raus – durch den Körper, nicht durch den Mund.
4. Die "Was brauche ich wirklich?"-Frage
Halte kurz inne und frage ehrlich: Was brauche ich wirklich gerade? Trost? Dann ruf jemanden an. Gerechtigkeit? Dann schreib auf, was dich stört. Ruhe? Dann leg dich 10 Minuten hin. Oft ist die Antwort nicht "Essen".
5. Zeitverzögert essen
Nicht verbieten – verzögern. "Wenn ich in 15 Minuten immer noch essen will, esse ich." In dieser Viertelstunde verändert sich oft genug, dass der Impuls nachlässt. Mehr zu Strategien gegen impulsives Essen.
6. Muster erkennen und vorbereiten
Welche Situationen lösen bei dir Frustessen aus? Wenn du sie kennst, kannst du vorbereitet sein. Plane vor: "Wenn ich nach einem Streit nach Hause komme, mache ich zuerst X statt zum Kühlschrank zu gehen." Mehr zum Erkennen von Essauslösern.
Die Frust-Essen-Schuld-Spirale durchbrechen
Das gefährlichste am Frustessen ist die Spirale: Frust → Essen → Schuldgefühle → mehr Frust → mehr Essen
Der Schlüssel zum Durchbrechen ist an der Stelle "Schuldgefühle": Rückfälle sind normal. Du bist nicht gescheitert. Du bist ein Mensch, der einen schwierigen Moment hatte. Die nächste Mahlzeit ist dein Neuanfang.
Häufige Fragen
Ist Frustessen schon eine Essstörung? In den allermeisten Fällen nicht. Gelegentlich aus Frust zu essen ist ein normales, weit verbreitetes Verhalten – kein Krankheitsbild. Anders sieht es aus, wenn das Essen außer Kontrolle gerät: regelmäßige Essanfälle mit dem Gefühl, nicht aufhören zu können, gegensteuernde Maßnahmen wie Erbrechen oder extremes Fasten, oder starker Leidensdruck. Wenn du solche Muster bei dir bemerkst, sprich mit deiner Hausärztin oder einer psychotherapeutischen Praxis darüber – das ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche.
Wie unterscheide ich Frustessen von echtem Hunger? Echter Hunger baut sich langsam auf und lässt sich mit einer normalen Mahlzeit stillen. Frustessen kommt plötzlich, ist oft auf ein bestimmtes Lebensmittel gerichtet (Süßes, Fettiges) und tritt kurz nach einem belastenden Moment auf. Ein kurzer Check – „Habe ich vor zwei Stunden gegessen?" – hilft, die beiden auseinanderzuhalten.
Nächste sinnvolle Schritte
- Verstehe die Verbindung zwischen Essen und Gefühlen auf einer tieferen Ebene.
- Lies, warum Stressessen biologisch bedingt ist.
- Identifiziere deine persönlichen Essauslöser.
- Hinterfrage, ob du Essen als Belohnung nutzt – und finde Alternativen.

Redakteur für Motivation & Mindset
Schreibt über Motivation, Mindset und den Umgang mit Rückschlägen. Verantwortlicher Herausgeber: Norbert Hofmann.
Quellen & weiterführende Informationen
- 1.Evers C et al. – Emotion Regulation and Eating – Forschung zu Zusammenhang zwischen Emotionsregulation und Essverhalten
- 2.Nolen-Hoeksema S – Emotion Regulation and Psychopathology – Grundlagenforschung zu maladaptiver Emotionsregulation
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und unterstützt einen gesunden, nachhaltigen Ansatz beim Abnehmen. Die Inhalte ersetzen keine individuelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen wende dich bitte an deinen Arzt oder eine qualifizierte Fachperson.
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